LEIDER AUCH NUR MÜLL - WARUM PLASTIK KAUM RECYCELT WIRD

LEIDER AUCH NUR MÜLL - WARUM PLASTIK KAUM RECYCELT WIRD

Wir Deutschen verursachen jährlich 39 Kilogramm Plastikmüll – und zwar pro Kopf.[1] Das sind in etwa 22 gelbe Säcke voll Plastikmüll pro Person. Aber das ist ja kein Problem – schließlich kann Plastik doch gut recycelt werden. Dafür sammeln wir es ja extra getrennt. Oder? Wir haben für dich einmal hinter die Kulissen der Entsorgungsindustrie geschaut und waren überrascht, als wir herausgefunden haben, wie selten Plastik tatsächlich recycelt wird.[2]  

 

Warum wird Plastik so selten recycelt?

Die Antwort lautet schlicht: Die Nachfrage nach recyceltem Plastik ist zu gering.
Immer wieder erklären (Politiker*innen, Wirtschaftsverantwortliche ...), das Plastikproblem ließe sich dadurch lösen, dass das Material durch immer neues Recycling im Kreislauf geführt wird und gar nicht in die Umwelt gelangt. Das klingt theoretisch logisch, aber es hapert an der praktischen Umsetzung, denn die Nachfrage nach recyceltem Plastik beträgt gerade mal 6%.[3] Doch die Industrie sträubt sich, es einzusetzen, weil das Recyclingplastik durch die energieintensive Aufbereitung teurer ist, als wenn man einfach neues Plastik herstellt.[4] Außerdem ist selbst aufwendig recyceltes Plastik häufig nicht mehr für Lebensmittelverpackungen zu verwenden, da Schadstoffe den Inhalt kontaminieren könnten. In Lebensmitteln, die in recyceltes Plastik verpackt sind, werden immer wieder hohe Belastungen von Schadstoffen gemessen.[5] Große Firmen haben sich früher sogar aus Sicherheitsgründen gegen recyceltes Plastik entschieden. Und jetzt soll es plötzlich die perfekte Lösung für alles sein? Für Stoffe, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, hat die EU zwar mittlerweile mehr als hundert angeblich sichere Recyclingprozesse abgesegnet. Doch die sind nicht unbedingt sicherer geworden.[6] 
Die höheren Kosten und viele weitere Schwierigkeiten rund um das Thema Recycling sind der Grund dafür, dass am Ende gerade mal 5,8 % aller Plastikverpackungen wirklich recycelt werden. Das ist von einem Materialkreislauf, wie er häufig beschworen wird, weit entfernt.[7]

 

Aber liegt die Recyclingquote in Deutschland nicht bei 100 %?

Falsch gedacht! Wir sammeln zwar einen Großteil des verwendeten Plastiks wieder ein, exportieren davon aber große Mengen ins Ausland. Häufig gehen sie nach Südostasien, vornehmlich nach Malaysia.[8] Dort ist gesetzlich nicht reguliert, wie der Plastikmüll weiterverarbeitet werden muss. Oft wird er auf ungesicherten Deponien gelagert, wo er von Wind und Wetter ins Meer gespült wird. Wenn es auf den Deponien mal zu voll wird, werden die Müllberge sogar einfach verbrannt. Aber nicht unter strengen Bedingungen und unter Einsatz moderner Katalysatoren, die giftige Gase aus der Luft filtern, sondern einfach an der freien Natur. Dadurch gelangen Schwermetalle wie Cadmium und Blei in die Umwelt und schlussendlich auch in die Nahrungsketten. Das bedeutet ein erhebliches Risiko für unsere Gesundheit.[9]

 

Heutzutage gelangt auf den verschiedensten Wegen so viel Plastik in die Ozeane, als würde man in jeder Minute eine LKW-Ladung einfach hineinkippen. Es leuchtet ein, dass das Problem nicht einfach durch ein Verbot von Plastikstrohhalmen gelöst wird, oder?[10] Das Plastik, das im Meer landet, schwimmt für hunderte Jahre in den Ozeanen und zersetzt sich über die Zeit zu Mikroplastik. Fische und Meerestiere verwechseln es mit ihrer herkömmlichen Nahrung, sodass Mikroplastik im Endeffekt auch auf unserem Speiseplan landet.[11] Das kann so nicht weitergehen – es muss ein Ende haben! Am besten sofort.

 

Energie und Chemie: So einfach ist Recycling nicht

Selbst wenn das Plastik mal wirklich beim Recycling landet, ist das genau betrachtet auch keine wirklich grüne Alternative. Für die Wiederaufbereitung werden teils chemische Verfahren genutzt, die nicht nur viele toxische Nebenprodukte freisetzen, sondern auch sehr viel Energie verbrauchen. So fällt die Ökobilanz unter dem Strich sogar negativ aus.[12]

 

Ist recyceltes Plastik aus Asien auch wirklich recycelt?

Aktuell sitzen die größten Hersteller von recyceltem Plastik in Asien. Allerdings lässt sich bisher nicht überprüfen, ob es sich bei einem bestimmten Material wirklich um recyceltes oder um neu gewonnenes Plastik handelt. Es kann also durchaus sein, dass es sich bei den Importen aus Asien um neues Plastik handelt, das nur umdeklariert wurde, um bei geringen Produktionskosten einen höheren Preis erzielen zu können.[13]

 

Wir finden, alle diese Fakten sprechen sehr dafür, sich nicht auf einen angeblich lückenlosen und umweltfreundlichen Recyclingkreislauf für Plastik zu verlassen. Stattdessen definieren wir Verpackung einfach neu. Bist du dabei?

 

[1] Vgl. https://de.statista.com/infografik/19987/verpackungsverbrauch-in-deutschland/
[2] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/911291/umfrage/verteilung-von-plastikabfall-nach-verwertungsart/
[3] Vgl. www.plastikalternative.de/plastik-recycling-darum-recyceln-wir-so-wenig-plastik/
[4] Vgl. www.quarks.de/umwelt/muell/darum-verbrennen-wir-mehr-plastikmuell-als-wir-recyceln/ 
[5] Vgl. www.euractiv.de/section/gesundheit-und-verbraucherschutz/interview/recycelte-plastikverpackungen-sind-immer-ein-risiko/
[6] Vgl. www.euractiv.de/section/gesundheit-und-verbraucherschutz/interview/recycelte-plastikverpackungen-sind-immer-ein-risiko/
[7] Vgl. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Recyceltes-Plastik-in-Verpackungen-ist-rar-article22648430.html
[8] Vgl. https://www.spiegel.de/wirtschaft/greenpeace-studie-malaysia-wird-zur-deutschen-muellkippe-a-514cf9e0-2ca8-4939-87fa-729a8a20a610
[9] Vgl. https://www.spiegel.de/wirtschaft/greenpeace-studie-malaysia-wird-zur-deutschen-muellkippe-a-514cf9e0-2ca8-4939-87fa-729a8a20a610
[10] Vgl. www.wwf.ch/de/unsere-ziele/verschmutzung-der-meere
[11] Vgl. www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article114474624/Was-Sie-ueber-die-Plastik-Pest-wissen-sollten.html
[12] Vgl. www.sueddeutsche.de/wirtschaft/plastikflaschen-recycling-kunststoff-verbrauchertaeuschung-1.5281821 
[13] Vgl. www.sueddeutsche.de/wirtschaft/plastikflaschen-recycling-kunststoff-verbrauchertaeuschung-1.5281821
Titelbild Quelle: www.pexels.com/de-de/foto/foto-eines-muldenkippers-uber-gebaude-2382894/